Essay

Gläserne Bienen II

Foto: USGS, Unsplash
Detailaufnahme einer gelben Biene mit großen, transparenten Flügeln auf schwarzem Hintergrund.

Ich stand in Kreuzberg auf dem Weg zu einer Markthalle, wo ein Regisseur auf mich wartete. Ich scrollte im Gehen, also mit oder in der halb verbotenen, halb längst eingebürgerten Haltung des Gegenwartskörpers. Dann tauchte diese Firma auf: SWARM Biotactics.

Schon der Name macht die Sache nicht bescheidener. Schwarm, Taktik, Bio, ein kleiner Rest Militärton, ein Rest Labor, alles sorgfältig und abgestimmt in Internationalität getunkt. Was machten die, diese SWARM Biotactics-Leute? Ich war bereits dem Feed auf den Leim gegangen.

Die Firma baut Kakerlaken um, oder, damit die Sprache des Unternehmens nicht beleidigt wird: Sie stattet lebende Kakerlaken mit ultraleichten technischen Rucksäcken aus, für Sensorik, Kommunikation, Steuerung. Sitz in Kassel, Außenstelle in San Francisco, als Einsatzfelder Sicherheit, Verteidigung, Katastrophenhilfe, Inspektion — alles steht da. Ruhig, sachlich, ohne jede Ironie.

Mich hätte das schocken können. War das nicht ein böser Traum? Aber hier stand das so, als Start-up-Meldung, als Mitteilung, als Investitionsgegenstand. Man liest etwas heute im Vorbeigehen, an der Ampel, zwischen Wetter, Terminverschiebung, Kriegsmeldung, Restaurantempfehlung. Das Monströse wirkt nicht mehr monströs. Sogar seine Sprengsätze hat das Monströse inzwischen gelernt als Servicehinweise aussehen zu lassen.

Eine Kakerlake mit Sensorrucksack ist im wörtlichen Sinn ein kleines Ding. Trotzdem hat diese Innovationsidee, eine Kakerlake derart hochzurüsten, eine trockene Härte, die man zunächst übersieht. Sie, die innovative Idee, lautet ungefähr so: Das Lebendige ist heute keine Grenze des Apparats mehr. Es wird zu seiner Trägerstruktur. Das Tier bleibt Tier und wird doch schon Bedienoberfläche. Die Kakerlake ist zwar noch Organismus, aber doch schon eine Art Plattform. Sie ist lebendiger Körper und zugleich ein Betriebsmittel. In dieser Doppellage, in diesem Noch-und-schon, liegt die eigentliche Störung. Man schaut hin und spürt impulsiv, dass sich etwas gewandelt hat, für das es noch keinen richtig passenden neuen Begriff gibt.

Auf dem Display lief ein kurzes Video ohne Ton. Die Kakerlake bewegte sich normal. Ok. Kein Hinken war zu sehen, kein futuristisches Zucken, sondern erst mal nur ein kleines Tier, das lief, und auf ihm etwas, das nicht dorthin gehörte und bereits dort saß, als hätte es immer dort gesessen.

Neben mir zog jemand einen Rollkoffer über die Bordsteinkante.

Das Ereignis, dem ich also an der Ampel beim Scrollen beiwohnte, war nicht das Insekt als solches, das kannte ich schon, sondern die stille Umwidmung des Lebendigen in eine diskrete Betriebsform — eine Gewohnheit, die nicht mehr fragt, was ein Körper ist, sondern nur noch, was sich mit ihm anfangen lässt. Wo Aristoteles nach dem Telos gefragt hätte, fragt man heute nach Einsatzfeldern. War das jetzt Fortschritt?

Es gibt Entwicklungen, die kommen – wie die Einführung eines neuen Apple-Produkts – mit einer großen Bühnen-Show in die Welt. Und es gibt andere, die haben das nicht nötig. Das sind Anwendungen, die es schaffen, uns mit einer leisen, unauffälligen Funktionsfreundlichkeit gefügig zu machen. Gewöhnung ist die höflichste Form der Übernahme.

Zwei beige, runde Divider-Elemente auf einem hellen Hintergrund.

Erst lacht man

Was mich da beim Scrollen erwischte, war ein simultaner, unsortierter Strudel aus Affekt, Ekel, Bewunderung und Schrecken. Früher hätte man das vielleicht erhaben genannt, Erhabenheit — aber das Wort klebt an Caspar David Friedrichs Bergen, Kathedralen, Gewittern über dem Meer. Muss das Erhabene immer hoch sein? Es kann auch krabbeln. Es kann handlich sein, klein, technisch, niedlich und unheimlich in einem.

Von außen sieht unsere Gegenwart, die wir alle durchleben, so aus, als hätte sie sich auf ständige harmlose Wiederholung verlegt: dieselben Sneaker, dieselben Brillen, dieselben wiederbelebten Jahrzehnte, Serien über Leute, die Serien schauen, alte politische Formeln im neuen Gewand: wir schaffen das, Zeitenwende, Doppel-Wumms und Leute, die über Brandmauern springen.

Man könnte meinen, die Zeit zitiere sich lieber selbst. Aber unter dieser Oberfläche, die meistens unterhaltsam ablenkt, arbeiten Systeme an ganz anderen Verhältnissen: verkörperte KI, Schwarmdrohnen, synthetische Trainingswelten, biohybride Robotik, Teststädte, Maschinen, die Entscheidungen vorsortieren. Hier wird die Infrastruktur von übermorgen entwickelt.

Das ist keine Nebensächlichkeit. Wir erleben eine Kultur, die ihre Umwälzungen nicht mehr dramatisch aufführt, sondern still einbaut: in Standards, Schnittstellen, Testfelder, Updates. Man sitzt im Café, bestellt Hafermilch und dockt ans WLAN an, und während man wartet, werden anderswo Systeme trainiert, die bald bestimmen, wie sich Körper bewegen, wie Arbeit verteilt wird, wie Räume gelesen werden. Das Neue sieht längst nicht mehr nach Zukunft aus.

Daher diese komische Doppelung. Der Chatbot, der eine Spur zu höflich antwortet. Der Humanoide, der mit peinlicher Sorgfalt eine Tasse hebt. Die Kakerlake mit dem Rucksack. Man lacht zuerst — schon weil das Format so klein ist und man es nicht ernst nehmen möchte. Aber dem Lachen folgt keine Entwarnung – es ist das Eintrittsgeräusch des Unheimlichen. Man lacht, weil der Maßstab noch nicht ganz stimmt, und merkt eine Sekunde später, dass nicht die Sache komisch war, sondern dass die ganze Angelegenheit nur zu harmlos verpackt war.

Man denkt: Das setzt sich nie durch.

Meistens ist das nur ein Zeitgewinn fürs eigene Nervensystem.

Frühere Technik war sichtbar. Sie dampfte, stampfte, stand im Raum. Man sah ihr an, dass sie etwas veränderte. Die heutige arbeitet anders. Sie wird kleiner, glatter, leiser. Sie heißt Assistent, Layer, Tool, Modell, Sensor. Das Gewaltige miniaturisiert sich — und genau darin liegt das Risiko. Das heutige System verändert vor allem Wahrnehmung, Routinen, das Tempo der Gespräche, die Architektur unserer Aufmerksamkeit. Wir erkennen das oft erst hinterher.

Zwei beige, runde Divider-Elemente auf einem hellen Hintergrund.

Wer ist heute Zapparoni?

Irgendwann an diesem Abend fiel mir Ernst Jünger ein, der Vielgescholtene. Er gehörte aber, das muss man ihm zugute halten, zu den technologisch versiertesten deutschen Schriftstellern. Die deutsche Literaturkritik hatte sich über Jahre an seinen Kriegsberichten abgearbeitet und übersehen, dass der spannendere Teil seines Werkes die Staats- und Technikutopien sind, die er z.B. in seinen Erzählungen Eumesvil oder Heliopolis vorformulierte.

Ernst Jünger hatte 1957 auch das Buch Gläserne Bienen geschrieben. Jünger sieht früh, dass Technik nicht bloß arbeitet, sondern auch ordnet, und zwar nicht durch Kraft, sondern durch Form.

Gläserne Bienen erzählt von Richard, einem ehemaligen Kavallerieoffizier, der nach dem Ende seiner alten militärischen Welt nicht mehr richtig in die Gegenwart passt.

Der äußere Plot ist eigentlich einfach: Richard fährt zu Zapparoni, um sich um eine Stelle zu bewerben. Er wartet im Hof, im Garten seines möglichen neuen Arbeitgebers. Während des Wartens schweifen seine Gedanken immer wieder in die Vergangenheit ab. Er erinnert sich an sein früheres Leben als Offizier, an Kameradschaft, Disziplin, Rangordnung und an eine Welt, in der Mut und Haltung noch klare Bedeutung hatten. Diese alte Ordnung ist jedoch untergegangen. Richard spürt, dass seine Erfahrungen in der neuen Zeit kaum noch zählen. Zapparonis Anwesen wirkt auf Richard faszinierend und unheimlich. Alles ist perfekt organisiert, elegant, künstlich und kontrolliert. Die Technik erscheint hier nicht mehr nur als Werkzeug, sondern als eigene Lebensform. Im Garten schwirren gläsernen Bienen umher: winzige künstliche Wesen, die echten Bienen täuschend ähnlich sehen und sich mit vollkommener Präzision bewegen.

Richard beobachtet diese Welt mit Staunen, aber auch mit Misstrauen. Er erkennt ihre Schönheit und Raffinesse, spürt aber zugleich eine Kälte darin.

Gefährlich, so könnte man die Botschaft des Buches zusammenfassen, ist Technik selten dort, wo sie noch plump wirkt. Das Plumpe ist erkennbar und hält einen auf Abstand. Gefährlich wird sie dort, wo sie anfängt Menschen zu überzeugen — wo sie nicht nur funktioniert, sondern eine Form hervorbringt, neben der das Frühere umständlich aussieht, langsam, also: historisch. Jüngers Bienen vernichten die Natur nicht. Sie überbieten sie.

Zapparoni ist die Figur, die den ganzen Zauber betreibt. Bei Jünger ist er Unternehmer, Magier, Produzent, Kurator einer Wirklichkeit, in der Macht und Eleganz einander die Hand geben, ganz ohne Aufhebens. Er herrscht nicht, indem er Vorschriften verteilt. Er herrscht, indem er Verhältnisse schafft, in denen die Alternative von selbst unattraktiv aussieht. Das ist ein modernerer Machtbegriff, als viele heutige Debatten ihn haben: nichts wird verboten, sondern das Bestehende wird einfach überboten. Es wird kein Zwang ausgesprochen, sondern ein Formdruck etabliert. Die politische Theorie hat dafür inzwischen viele Begriffe. Jünger hatte schon ein Bild, das der gläsernen Bienen.

Wer ist Zapparoni heute, Elon Musk? Nicht unbedingt, wahrscheinlich ist Zapparoni verteilt: auf Plattformen, Verteidigungsbudgets, Standards, Schnittstellen, auf die Geruchlosigkeit des Machbaren.

Richard, der Rittmeister ist gewissermaßen der verspätete Mensch. Nicht im rührseligen Sinne, sondern – so ähnlich wie ich im Anblick von SWARM Biotactics – verwickelt, abhängig, aufmerksam, nicht frei von Bewunderung und auch nicht frei von Abscheu. Richard in der Erzählung von Jünger trägt ein Maß in sich, das sich nicht restlos modernisieren lässt. Richard von heute sitzt in Videokonferenzen, in Seminaren, in Redaktionen, in Meetings. Er ist nicht draußen. Er ist drin und merkt trotzdem, dass etwas kippt.

Wer sind heute die Bienen? Wahrscheinlich summen sie nicht oder nicht immer; manchmal antworten sie in ganzen Sätzen, manchmal sitzen sie in Sensoren, in Serverparks, in Insektenkörpern, in Verwaltungsvorgängen.

Wer entscheidet hier wen?

KI stört das Denken. Solange man nur auf die Leistung schaut, bleibt alles übersichtlich. Schnellere Auswertung, bessere Mustererkennung, mehr Assistenz, mehr Vorhersage. Nur ist die Leistung nicht die eigentliche Frage. Die Frage ist: Was passiert mit einem Menschen, der dieses Können nach und nach mit Urteil verwechselt?

Joseph Weizenbaum hat früh darauf bestanden, das hart zu unterscheiden. Rechnen ist nicht Verstehen. Eine Ausgabe ist keine Verantwortung. Ein System kann sortieren, gewichten, simulieren, plausibel formulieren, es kann sogar den Ton der Umsicht treffen. Es kann, wie ChatGPT täuschend vertraulich flüstern: Meine ehrliche Antwort lautet: …

Einstehen muss es nicht. Dieser Unterschied ist klein in der Form, aber tatsächlich riesig in der Sache. Er markiert das Nicht-Delegierbare.

Die neue Technik drängt auf Delegation, sie will uns Arbeit abnehmen, Komplexität glätten, Entscheidungen vorbereiten, Risiken rechnen, Optionen vorsortieren. Das sind lauter vernünftige Absichten. Und doch passiert dabei etwas, langsam und in Raten. Der Mensch rückt aus der ersten Reihe des Urteilens in die zweite. Er entscheidet seltener selbst und prüft öfter, was schon für ihn geprüft wurde. Das ist keine Abschaffung, sondern eine Verschiebung, die man kaum mehr merkt.

Zu einer der aktuell notwendigsten Fähigkeiten wird es gehören, dem Sog der mühelosen Urteilsabgabe nicht sofort nachzugeben. Das ist Arbeit. Der Mensch verliert seine Stellung nicht erst, wenn er ersetzt wird, sondern verliert sie schon dort, wo er sich bereitwillig in eine Entscheidungsform übersetzen lässt, die seine eigene Anstrengung als Störgröße behandelt.

Jemand übernimmt den Vorschlag des Systems, weil er plausibel klingt und der Tag, wie so oft, schon lang ist und man keine Lust mehr hat, weiter nachzudenken. Danach sagt keiner etwas. Genau so verschiebt sich das Maß.

Die entscheidende Verschiebung sitzt also am Ende nicht in der Maschine, sondern im Menschen, der seine eigene Urteilskraft zu behandeln beginnt wie einen verzichtbaren Zwischenstand. Man nennt das Entlastung, aber im Grunde ist das schon eine Vorstufe der Selbstentmündigung.

Die Technik ist nicht einfach der Gegner, das ist klar. Die Kakerlake kann dahin, wo kein Mensch hinsollte, in Trümmer, in Brände, und der Umstand, dass das neue Modell Zugänge schaffen und helfen kann, kann man so gesehen in der Sache nur positiv bewerten. Der Roboter kann Arbeit übernehmen, z.B. schwere Arbeit, die Körper ruiniert. Genau das macht die Sache schwer. Wer nur gegen die Technik redet, vereinfacht natürlich; wer sich ihr nur überlässt, allerdings auch. Es geht ums Maß bzw. um die Frage: Wer entscheidet hier eigentlich wen?

Was bleibt nicht delegierbar? Nicht alles, aber das Entscheidende. Überall dort, wo Verantwortung an ein verletzliches, antwortpflichtiges Wesen gebunden bleibt: Fürsorge, Erziehung, Recht, Strafe, Zuspruch, politische Entscheidung, Vertrauen. Eine Maschine kann diagnostische Muster lesen. Aber sie hat keinen Einsatz an der Wahrheit. Sie muss nicht ins Gefängnis, sie hat keine Haut im Spiel. Richard, wenn es ihn hier und heute gibt, wäre der, der das Neue nicht bestreitet oder sofort intuitiv ablehnt, sondern der, der nach dem Preis des Fortschritts fragt.

Zwei beige, runde Divider-Elemente auf einem hellen Hintergrund.

Erst fällt etwas weg, dann merkt es keiner

Die Systeme von heute haben sich von Werkzeugen zur Umgebung entwickelt. Das ist ein großer Unterschied: Ein Werkzeug benutzt man, in einer Umgebung lebt man. Man passt sich an, gewöhnt sich, merkt ihre Regeln meist erst, wenn sie ausfallen — wie das WLAN, das niemand bemerkt, bis es weg ist. Genau so werden Modelle, Plattformen, Schnittstellen, Standards, Sensoren und Automatisierungen zu einer neuen technischen Umwelt.

Umgebungen sind nie neutral. Sie ordnen, sie beschleunigen, sie sortieren, manchmal bevorzugen sie auch. Das neue Gefälle läuft deshalb nicht mehr nur zwischen Besitz und Nichtbesitz, sondern zwischen denen, die Rechenleistung, Standards, Modellzugänge und die großen Hebel kontrollieren, und denen, die in diese Ordnungen eintreten müssen, ob sie wollen oder nicht.

Es sind menschliche Aktionen, die diese Umwelt bauen: Wer Standards setzt, greift vor der Debatte ein. Wer Simulationsräume baut, entwirft Wirklichkeit im Voraus. Wer Chips liefert, verschiebt nicht nur Märkte, sondern Möglichkeiten. Und wer Robotik in Fabriken, Verwaltungen, Kliniken und Städte einschreibt, verändert den Alltag, lange bevor die Politik die richtige Regelung dafür gefunden hat. Die Zukunft beginnt gar nicht so häufig mit großen Entscheidungen, sondern mit einer technischen Vorform, die niemand mehr zurückbauen will, sobald sie einmal läuft.

Die Arbeit wird umbesetzt. Die Menschen rücken nach hinten: zur Prüfung vorgegebener Ergebnisse, zur Verwaltung maschineller Vorentscheidungen, zur Aufsicht über Abläufe, deren Form längst technisch feststeht. Man bleibt beteiligt, aber anders, unsouveräner.

Wer kennt noch den Homunkulus? Der Wunsch, ein Gegenüber zu bauen, das funktioniert wie Leben, nur ohne dessen Lasten und Ansprüche? Der Wunsch ist nicht neu.

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Die Zukunft ist längst in Arbeit

Die Kakerlake aus Kassel hatte mich als exotische Nachricht gepackt, ich war am Haken, am Hook, ich empfand das als spannend. Das Restgefühl des Unheimlichen versteckte sich im Symptomatischen: die Kakerlake gehört zu einer weltweiten Vorbewegung, in der an technischen Ordnungen gearbeitet wird, deren Wirkung erst in ein paar Jahren mit voller Schärfe sichtbar wird. Das Entscheidende läuft schon, nur noch nicht im Bewusstsein der meisten.

„Physical AI“ treibt in den USA diese Entwicklung noch auf eine weitere Stufe: Intelligenz soll greifen, gehen, navigieren, sich in gebauten Räumen zurechtfinden. Die Vorbereitungen laufen für Humanoide, Simulationsumgebungen, synthetische Trainingsdaten, Robotikplattformen. Die militärische Logik zieht in dieselbe Richtung: autonome und halbautonome Drohnen, Schwärme, vernetzte Kleinstflugkörper, operative Robotik.

China baut an der anderen Seite derselben Sache: an der Standardisierung. Dort wird nicht nur geforscht, sondern genormt, skaliert, ausgerollt. Produktionszahlen, Normensysteme, staatlich gestützte Industriebildung — alles Hinweise darauf, dass das Kommende in Serie gehen soll. Und sobald Technik serienfähig wird, verliert sie nicht nur ihre Zukunftsoptik, sondern wird Infrastruktur. Japan verfolgt mit Projekten wie Woven City eine andere, ebenso klare Linie: Es testet nicht einzelne Geräte, sondern ganze Lebensumgebungen. Die Stadt ist dort keine Kulisse, sondern Versuchsraum. Erprobt werden nicht nur Roboter, sondern Wege, Verkehrsflüsse, Energieordnungen, Datenkreisläufe — kurz: das Zusammenleben als solches. Die Welt wird für die Technik komponiert, bevor die Technik sich in sie einfügt. Südkorea führt die Sache direkt in die Arbeit. Humanoide in Fabriken, industrielle Modelle, geplante Stückzahlen, dazu Warnungen vor Beschäftigungsschocks. Was all das verbindet, ist die Verkettung: Chips, Modelle, Standards, Testfelder, Produktionsstätten, militärische Interessen, urbane Räume.

Vielleicht sollte ich mich beruflich umorientieren.

Kamin mit flammendem Feuer in einem gemütlichen Raum, umgeben von neutralen Farben und sanfter Beleuchtung.

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